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Workshop‚ Foul! Ästhetiken und Performanzen fußballerischen Fehlverhaltens, 21./22.6.18

Rempeln, Schlagen, Stoßen, Anspringen, Treten, Halten, Beinstellen, Bedrängen – was im Fußball als Foul verstanden wird, sind Reibungen und Kollisionen zwischen Körpern, die nicht selten physische Spuren hinterlassen. Fouls ziehen Spielerkörper in Mitleidenschaft, brechen Unversehrtheiten auf, können schwächen und außer Gefecht setzen. Sie haben nicht nur Konsequenzen für den Einzelnen, sondern beeinträchtigen auch Mannschaften und Spiel: Indem sie die Chancengleichheit unterlaufen, unterminieren sie die conditio sine qua non jeder sportlichen Praktik, sabotieren die Ermittlung des rechtmäßigen Siegers im Wettbewerb um den erfolgreichsten und elegantesten Körpereinsatz und suspendieren damit temporär auch die ludische Illusion: der Pfiff ertönt, die Bewegungen halten inne, die Uhr bleibt stehen. Werden sie vom Schiedsrichter bemerkt, ziehen Fouls zum einen disziplinarische Maßnahmen für den Akteur nach sich (je nachdem, ob sie „rücksichtslos“ oder „mit übertriebener Härte“ ausgeübt werden, eine Verwarnung oder einen Platzverweis), zum anderen die Kompensation des erfahrenen Unrechts am Ort des Vergehens in Form eines Frei- oder Strafstoßes für die gegnerische Mannschaft. Fouls stoppen den Bewegungsfluss und erzeugen Wendepunkte im Spielverlauf. Insofern erweisen sie sich in mehrerlei Hinsicht als transgressiv: Sie überschreiten die Grenzen zwischen Körpern und Regeln und durchbrechen die Illusion der Spielwelt. Ästhetisch eignet Fouls dadurch häufig ein distanzierendes Moment, zugleich tragen sie vielfach zur Dramatisierung von Spielverläufen bei und werden, auch durch die gesteigerte Aufmerksamkeit auf den (verletzten) Körper, von Spielern wie von Zuschauern als Momente besonderer emotionaler Intensität wahrgenommen.

Dem Foul im Fußball ist bislang aus geisteswissenschaftlicher Perspektive kaum Beachtung zuteil geworden. Dabei kristallisieren sich in ihm zentrale gesellschaftliche Diskurse und Praktiken. Der Workshop widmet sich dieser Forschungslücke aus interdisziplinärer Perspektive: In Zusammenarbeit von Sportwissenschaftlern, Philosophen, Soziologen, Ethnologen sowie Medien- und Literaturwissenschaftlern wirft die Veranstaltung einen neuen Blick auf das Foul als kulturelle Performanz. Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten und findet in der vhs Erlangen (Friedrichstraße 17), am Do, 21.6., im vhs club INTERNATIONAL und am Fr., 22.6., in der Aula statt.

Kontakt: sandra.fluhrer@fau.de, teresa.hiergeist@fau.de

Vortragsprogramm