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Tagung ‚Glücksversprechen. Inszenierungen und Instrumentalisierungen alternativer Lebensentwürfe in den Gegenwartskulturen‘

Foto von eriner Stadt

Glücksversprechen finden sich im gesellschaftlichen Alltag allenthalben: Sie strahlen einem von Plakatwänden und Anzeigen entgegen, zirkulieren in den sozialen Netzwerken, bieten sich an Straßenecken und in Bahnhofsvorhallen an, locken im Ratgeberregal im Buchladen ebenso wie im Emailpostfach. Sie können ganz unterschiedlicher Gestalt sein, können als schicker Lifestyle, als religiöses Sinnangebot, als medizinische Wundermethode oder als politische Alternative daherkommen, doch gemein ist ihnen, dass sie auf eine Weise medial konstruiert sind, die ihnen einen überzeugenden Charakter verleihen, und ideal und erstrebenswert erscheinen lassen soll. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache geschuldet, dass hinter ihnen interessierte Subjekte und Instanzen stehen, die von der Notwendigkeit der Veränderung der bestehenden Umstände überzeugen, einer als ‚wahr‘ verstandenen Weltanschauung Geltung verleihen oder ökonomischen Profit aus dem menschlichen Wunsch nach dem Glück schlagen wollen. Glücksversprechen eignet stets ein persuasiver, teils ideologischer, in manchen Fällen auch manipulativer Charakter, durch den die Selbst-, Gesellschafts- und Wirklichkeitswahrnehmung entscheidend mitgestaltet wird.

In den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen ist in den vergangenen 25 Jahren ein verstärktes Interesse für das Thema ‚Glück‘ zutage getreten: Nicht nur die Philosophie wirft Fragen nach seinem Wesen und den Möglichkeiten seiner Erreichbarkeit auf, auch die Soziologie und Ökonomie suchen nach seinen gesellschaftlichen und materiellen Voraussetzungen und die Psychologie und Neurowissenschaften eruieren seine emotionalen und kognitiven Grundlagen sowie seine evolutionäre Rolle. Es verwundert nicht,

dass in letzter Zeit auch einige interdisziplinäre Projekte versucht haben, sich dem Gegenstand zu nähern. Diese Forschungen weisen in der Regel eine Fokussierung auf die Semantik des Glücksbegriffes auf und versuchen, unterschiedliche Manifestationen und Objektivationen eines glücklichen Lebens zu beschreiben. Weniger in den Blick gelangt sind in diesem Zusammenhang jedoch bislang die gesellschaftlichen Diskurse, die mit den omnipräsenten Glücksinszenierungen in Verbindung stehen und die die Art und Weise ihrer medialen Gestaltung sowie ihre persuasives Potenzial entscheidend mitbestimmen.

Die Tagung ‚Glücksversprechen. Inszenierungen und Instrumentalisierungen alternativer Lebensentwürfe in den Gegenwartskulturen‘, möchte sich dieses Desiderats annehmen, indem sie das Augenmerk auf die Darstellungsweisen von Glücksangeboten in den westlichen Gesellschaften seit den 1968er Jahren legt. Ziel der Veranstaltung ist es, in Zusammenarbeit unterschiedlicher Disziplinen auf einer gemeinsamen kulturwissenschaftlichen Basis eine Ästhetik und Rhetorik des Glücksversprechens zu erarbeiten, deren politische, wirtschaftliche, soziale, religiöse und kulturelle Funktionen zu erschließen und sie in Hinblick auf aktuelle Identitätsentwürfe, Normen und Legitimitätskonstruktionen zu interpretieren. Damit möchte sie – gerade in Zeiten von Populismus und Postfaktizität – zur Sensibilisierung für die Konstruktivität zirkulierender Alternativdiskurse beitragen und ein Bewusstsein für ihre Rolle als potenzieller Katalysator in kulturellen Transformationsprozessen schaffen.

Zeitpunkt: 19./20.9.2019

Ort: Kochstraße 6a (PSG 00.006)

Zum Programm

Kontakt: teresa.hiergeist@fau.de